Kasernenstrasse (ehemals Bella-Aul-Str.)

In der Kasernenstraße 8 steht das ehemalige Haus der Familie Aul. Das Ehepaar Emil und Bella Aul zog 1906 nach Meiningen. Emil Aul war Geschäftsmann, seine Frau Bella war politisch in der SPD aktiv. In den 1920er Jahren war sie im Kreisvorstand der SPD und trat oft in der Öffentlichkeit als Rednerin auf. Wichtige Themen ihrer politischen Arbeit waren u.a. die Rolle der Frau in der Gesellschaft, die Armenfürsorge und Mütterberatung.

Im Dezember 1938 mussten die Auls ihr Haus in der heutigen Kasernenstraße verkaufen und in das jüdische Gemeindehaus in der Mauergasse ziehen. Anfang 1942 wurden sie in die so genannte "Brockenburg" gebracht, das jüdische Ghettohaus in Meiningen. Von dort aus wurde die Tochter Rosemarie nach Belzyce im besetzten Polen deportiert und ermordet. Emil Aul starb kurze Zeit später an Herzversagen. Bella Aul wurde 1943 ebenfalls nach Polen deportiert. Die drei Söhne konnten rechtzeitig Deutschland verlassen. Der Sohn Herbert (geb. 1908) emigrierte 1938 nach Frankreich, Martin (geb. 1907) wurde 1944 von der SS in Frankreich erschossen, Hellmut (geb. 1911) ging bereits 1933 nach Paris. Er kehrte als einziger der Familie 1946 nach Meiningen in sein Elternhaus zurück.

1955 benannte die Stadt Meiningen zu Ehren Bella Auls die Straße, in der die Familie ihr Haus besaß, in "Bella-Aul-Straße" um. 1990 wurde aus der Bella-Aul-Straße die jetzige "Kasernenstraße". Zur Begründung der Umbenennung hieß es, es solle keine Straßennamen mehr im Stadtbild geben, die an Politikerinnen oder Politiker erinnern. 1997 versuchte eine Initiative die Rückbenennung der Straße in Bella-Aul-Straße zu erwirken. Dieser Versuch blieb ergebnislos.


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