Familie Aul

Auch andere Juden in Meiningen emigrierten unmittelbar nach der Pogromnacht oder schon davor. So auch die Söhne von Bella und Emil Aul. Bella Aul und ihr Mann Emil waren 1906 nach Meiningen gezogen. Emil Aul war im Textilhandel tätig und Teilhaber einer Mode- und Schnittwarenhandlung am Marktplatz. Bella Aul war politisch in der SPD und später in der KPD aktiv. In den 1920er Jahren war sie im Kreisvorstand der SPD und trat oft in der Öffentlichkeit als Rednerin auf. Wichtige Themen in ihrer politischen Arbeit waren u.a. die Rolle der Frau in der Gesellschaft, Armenfürsorge und Mütterberatung. Für die damalige Zeit eher selten war sie eine emanzipierte und politisch aktive Frau.

Ihr Engagement hatte vermutlich großen Einfluss auf die Söhne. Herbert (geb. 1908) wurde in Meiningen 1933 als Widerstandskämpfer der KPD verhaftet und emigrierte 1938 nach Frankreich. Martin (geb.1907) arbeitete auch nach dem Verbot der Partei weiter illegal für die KPD und wurde 1933 in Schweinfurt verhaftet. Er musste später nach Frankreich emigrieren, wo er von der SS im April 1944 erschossen wurde. Der jüngste Sohn Hellmut (geb. 1911) ging bereits 1933 nach Paris und lebte dort bis 1936 als politischer Flüchtling. Im gleichen Jahr machte er sich nach Spanien auf, um als Freiwilliger in den gegen Franco im zu kämpfen. Später kehrte er nach Frankreich und 1946 nach Meiningen zurück. 

Nach der Reichspogromnacht wurde Emil Aul mit 63 Jahren verhaftet und ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Er kehrte von dort wieder nach Meiningen zurück, nachdem er im KZ Zwangsarbeit verrichten musste. Im Dezember 1938 mussten die Auls ihr Haus in der heutigen Kasernenstraße verkaufen. Vermutlich zog das Ehepaar gemeinsam mit Tochter Rosemarie (geb. 1921) zunächst in das jüdische Gemeindehaus in der Mauergasse. Anfang 1942 mussten sie in die so genannte Brockenburg ziehen. Rosemarie, die behindert war, wurde von dort im Mai 1942 nach Belzyce im besetzten Polen deportiert und von den Nazis ermordet. Emil Aul starb kurze Zeit später im August 1942 an Herzversagen. Bella Aul wurde 1943 ebenfalls nach Polen deportiert. Wahrscheinlich wurde sie in Auschwitz ermordet.



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